Traditionelle tibetische Medizin
Diagnose und Behandlung in der tibetischen Medizin
Diagnose
1. Ta.wa - Ansehen, beobachten
Die Haut, die Körperform, die Augen, Zunge - ganz besonders wird der Urin angesehen
Urin ist ein ganz besonderer Spiegel, der alle Probleme der inneren Organe wiederspiegeln kann - sehr genau.
2. Rek-pa - Berühren
Berühren der Haut - die Temperatur, des Bauches - den Patienten mit der Hand berühren, besonders den Puls fühlen - das ist das Wichtigste.
3. Tri.ba - Fragen
Den Patienten nach seinen Problemen, Gründen usw. befragen.
4 Stufen der Behandlung
1. Verhalten
Zuerst sollte man die Fehler im Verhalten und in der Ernährung herausfinden und versuchen diese zu ändern. Erst danach sollte Medizin verabreicht werden. Die Hauptursache für Krankheit ist zumeist falsches Verhalten und falsche Ernährung.
Wenn man mit der Ursache arbeitet, kann das Problem tiefer behandelt werden. Beseitigt man nur die Symptome und nicht die Ursachen, werden die Symptome wieder auftreten.
Jemand hat z.B. Verdauungsprobleme, macht aber kaum Bewegung, isst spät abends und geht danach schlafen - dies führt natürlich zu Verdauungsproblemen, denn das System der Galle braucht Bewegung. Wenn diese Person nun ihr Verhalten ändert, kann so das Problem gelöst werden.
2. Ernährung
Die Ernährung ist ein sehr wichtiger Teil der Behandlung. Die richtige Ernährung ist manchmal die beste Medizin.
Im allgemeinen spürt unser Körper was er benötigt. Die Gewohnheiten können aber so stark werden, dass der natürliche Instinkt verloren geht.
3. Medizin
Wenn Verhalten und Ernährung alleine nicht helfen, dann geben wir Medizin. Bestandteile sind natürliche Kräuter, Mineralien, Substanzen von Tieren.
4. Externe Therapie
a) Sanften externe Therapie: Ku Nye, Stab-Massage, Wassertherapie, Kompressen
b) Heftige (grobe) externe Therapie: Moxa, Akupunktur, Operation
Die sanfte Therapien können am Beginn zusammen mit anderen Therapien angewandt werden, mit Verhalten und Ernährung.
Wir sollten stets mit Körper und Geist gemeinsam arbeiten, den physischen Körper betrachten und auch den Geist, also „mit 2 Augen gleichzeitig arbeiten“.
Der Therapeut sollte sich das Äußere, aber auch das Innere des Patienten ansehen und am allerwichtigsten von allem sollte er Mitgefühl entwickeln.
Kann dem Patienten Mitgefühl und eine positive, gute Motivation vermittelt werden, so wird sich dieser wohl fühlen, selbst wenn die Therapie nicht die gewünschten Erfolge zeigt, so wird der Patient doch die positiven Schwingungen aufnehmen und sich besser fühlen.
Wir müssen mit dem Körper und dem Geist des Patienten und auch mit Körper und Geist des Arztes oder Therapeuten arbeiten.
Wenn wir mit Ku Nye arbeiten, müssen wir mit der mentalen, der energetischen und physischen Ebene arbeiten. Dadurch haben wir mehr Möglichkeiten wirklich zu helfen. Es ist außerordentlich wichtig sich stets daran zu erinnern. Denn arbeiten wir nur auf der körperlichen Ebene, können zwar die Symptome verschwinden, die Störung befindet sich aber noch auf der energetischen und mentalen Ebene.